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Ausgezeichnet: Dr. Sebastian Westermann von der THGA erhielt Oskar-Niemczyk-Preis des DMV

Für die besondere Tragweite seiner Doktorarbeit wurde Dr. Sebastian Westermann mit dem Oskar Niemczyk-Preis ausgezeichnet.

Ein Grubenwasseranstieg ist ein komplexer Prozess, der durch viele Faktoren gesteuert wird. Wie diese Faktoren im Detail aussehen, hat Dr. Sebastian Westermann aus dem Forschungszentrum Nachbergbau der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) in seiner Doktorarbeit untersucht. Jetzt wurde der 38-Jährige für seine Dissertation ausgezeichnet: Er erhielt den Oskar-Niemcyzk-Preis, der alle zwei Jahre von der gleichnamigen Stiftung und dem Deutschen Markscheider-Verein e.V. (DMV) verliehen wird und mit 1.000 Euro dotiert ist. Bisher wurden mit dem Preis vor allem wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet des Markscheidewesens und der Bergschadenkunde ausgezeichnet. Für einen Geologen, der sich mit einem hydrogeologischen Thema befasst hat, ist die Verleihung somit eine ganz besondere Auszeichnung.

Dies liegt vor allem an der besonderen Qualität und der Tragweite seiner Arbeit, erklärt Dr. Frieder Tonn, der als Vorsitzender des DMV sowie der Stiftung mit in der Jury saß: „Zu den Kernaufgaben des Markscheidewesens gehören neben der Erfassung und Dokumentation bergbaulicher Aktivitäten auch die Vorhersage der vom Bergbau hervorgerufenen Veränderungen an der Tagesoberfläche. Dazu zählen z. B. die Abschätzung zu erwartender Bodenbewegungen oder auch die Prognose des Grubenwasseranstiegs nach der Einstellung des Bergbaus. Das in der Promotionsschrift von Dr. Westermann vorgestellte analytische Modell zur Flutung der Grubengebäude leistet hier einen wesentlichen Beitrag.“ Welche wichtige Rolle die Berechnungen künftig einnehmen könnten, erkannten auch Prof. Dr. Christian Melchers und Prof. Dr. Peter Goerke-Mallet vom Forschungszentrum Nachbergbau. Sie hatten die Nominierung des Preisträgers angestoßen.  

Dabei entstand die Arbeit eigentlich aus einer ‚Not‘ heraus, erzählt Dr. Sebastian Westermann: „Für ein Projekt war ich auf der Suche nach hydrogeologischen und markscheiderischen Daten, die einen Bergwerksstandort kennzeichnen und dadurch Einfluss auf den Grubenwasseranstiegsprozess ausüben. Hier musste ich schon früh feststellen, dass die gewünschten Daten oftmals weder in dem erforderlichen Umfang noch in der notwendigen Qualität vorlagen.“ So machte er sich selbst auf die Suche nach den systembestimmenden Faktoren – also den Parametern, die einen Grubenwasseranstieg maßgeblich beeinflussen und solchen, die weniger Einfluss ausüben. „Ich suchte die entscheidenden Stellschrauben“, sagt Dr. Westermann.

Dabei begleitete ihn sein ukrainischer Kollege Prof. Dr. Dmitry Rudakov von der Dnipro University of Technology. Gemeinsam entwickelten die beiden Experten einen analytischen Modellansatz, mit dem sie systematisch prüfen konnten, inwieweit ausgewählte Parameter Einfluss auf die Vorgänge unter Tage nehmen. Ihre Berechnungen spielten sie an drei Bergwerken mit unterschiedlichen Standorteigenschaften exemplarisch durch. „Das ermöglicht uns auch, Rückschlüsse auf andere Bergwerksstandorte zu ziehen“, erklärt Dr. Westermann.

Die Erkenntnisse liefern einen wichtigen Beitrag, den Bergbaulebenszyklus aktiv zu gestalten und die Nachbergbauphase vorausschauend zu planen. Denn schon in der Explorationsphase – also noch vor dem eigentlichen Abbauprozess – könnten die relevanten hydrogeologischen und markscheiderischen Parameter in den Fokus genommen werden, hofft Dr. Westermann. „Dieses Verständnis macht nicht nur die Erschließung neuer Rohstoffvorkommen nachhaltiger, sondern ist auch für die frühzeitige Vorbereitung zukünftiger Maßnahmen im Nachbergbau unerlässlich.“

Quelle: THGA

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