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JD Neuhaus

Mehr Raum für Schweizer Fließgewässer

Seit 2011 müssen die Fließgewässer in der Schweiz naturnaher gestaltet werden, so verlangt es das Gewässerschutzgesetz. In den kommenden Jahrzehnten werden 4000 von total 15.000 km verbauter Flüsse und Bäche revitalisiert. Marti ist aktuell in zwei Projekte an der Thielle und an der Emme involviert. Sowohl für den Kanton Solothurn als auch den Kanton Waadt sind es die größten je umgesetzten Revitalisierungen.

Bei beiden Maßnahmen geht es darum, den Fließgewässern mehr Raum zu geben. Das Bett der Emme wird von 25 m auf mindestens 40 m verbreitert. Die Thielle von 15 auf gut 30 m. Kiesbänke und Inseln aus Wasserbausteinen bilden neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Fischgängige Blockrampen ersetzen Betonschwellen. Die Massnahmen entsprechen dem Konzept der ingenieurbiologischen Bauweise, wobei „krautige, holzige und kombinierte Bauweisen“ zum Einsatz kommen, wie es im entsprechenden Leitfaden des Bundesamts für Umwelt Bafu heisst.

Die Verbreiterung der Thielle auf einer Strecke von knapp 2 km westlich von Yverdon ist ein Projekt das Marti Arc Jura im Auftrag der Gemeinde Yverdon-les-Bains und des Kantons Waadt umsetzt. Der Kanton Waadt schreibt dazu, „die Arbeiten entlang der Thielle haben einen nie dagewesenen Umfang, und sie sind ein Referenzobjekt für spätere Renaturierungen, wie etwa an der Rhône.“ Das Ziel ist, die Landwirtschaftszone in der Orbe-Ebene und die Gemeinde vor Überschwemmungen zu schützen.

Verstärkte und höhere Dämme

Neben der Verbreiterung des Flussbetts verstärkt Marti die neuen, höheren Dämme auf einer Strecke von 6 km. Dafür bauten die Spezialisten eine 60.000 m² große Spundwand und bewegten total 160.000 m³ Material, was in etwa dem Volumen von fünf Dreifachturnhallen entspricht. Bauleiter Paul Mensik musste das Material förmlich zusammensuchen: „Es war schwierig, die 100.000 m³ Material aufzutreiben, gefunden haben wir es auf verschiedenen Baustellen in der Region.“ Damit die Biber den Menschen nicht ins Handwerk pfuschen und die verstärkten Dämme mit ihren Bauten beschädigen, sind Biberschutznetze nötig.

An der Emme werden Kies, Sand, Steinblöcke und Oberboden sowie Bäume und Wurzelstöcke vor Ort wieder verwendet. Total wurden 350.000 m³ Aushub gesiebt. Auch grosse Steinblöcke aus den alten Dämmen wurden so weit möglich wiederverwendet. „Wir wussten jedoch nicht, wie viel für den Hartverbau verwendet werden kann“, sagt Projektleiter Benjamin Lehmann. Ein Unsicherheitsfaktor für die Logistik. Die Bestellungen der Flussbausteine mussten genau auf den Bedarf auf der Baustelle abgestimmt werden.

Anlieferung per Bahn

Eine Auflage war zudem, dass die Steine per Bahn angeliefert werden mussten. Die ARGE Emme, bestehend aus Marti-Solothurn, Gebr. Jetzer AG, wsb AG und Eberhard Bau AG baute auf einer Strecke von knapp fünf Kilometern 200.000 m³ neue Dämme, mehr als drei Kilometer Wege und total zehn Kilometer Uferverbauungen. Weitgehend aus Material das vor Ort vorhanden war.

Die Bagger arbeiten mit einer GPS-Steuerung. Die Geometrie des neuen Terrains ist als dreidimensionales Modell abgebildet. Der Maschinist sieht die neu zu gestaltenden Dämme und Flächen in seiner Kabine auf einem Display. Das sorgt für hohe Effizienz, ersetzt aber nicht die Erfahrung. „Die Maschinisten müssen großes Know-How mitbringen und wissen, welcher Stein wo abgelegt werden kann, damit die Verbauung auch langfristig und bei hohen Abflussmengen an Ort und Stelle bleibt“, sagt Benjamin Lehmann. Nur so kann die Langlebigkeit garantiert werden.

Notfallkonzepte und Schutzdämme

Beide Projekte werden zum Teil direkt im Fluss umgesetzt. Deshalb waren ausgeklügelte Notfallkonzepte nötig. So wurden provisorische Schutzdämme gebaut, damit die Arbeiter und Geräte im Fall von schnell steigenden Pegeln geschützt sind. Trotzdem mussten die Arbeiten an der Thielle und an der Emme während Hochwasserperioden komplett eingestellt

Quelle: Marti AG

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