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JD Neuhaus

Neue DERA-Studie: Lieferant und Konkurrent – Chinas ambivalente Rolle für globalen Rohstoffmarkt

China hat sein Wirtschaftsmodell in Richtung eines nachhaltigen Wachstums neu ausgerichtet. Dies verändert in China sowohl die Struktur der Rohstoffnachfrage als auch die Metallproduktion selbst – mit unmittelbarem Einfluss auf die globalen Rohstoffmärkte. In welchem Ausmaß, zeigt eine jetzt veröffentlichte Studie der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zur Rohstoffwirtschaft Chinas, die in Zusammenarbeit mit der deutschen Auslandshandelskammer Peking entstanden ist.

 

Die neue Studie beleuchtet, wie sich der Paradigmenwechsel in Chinas Wirtschafts- und Industriepolitik auf den Rohstoffverbrauch und die -produktion der Nichteisenmetalle im Land auswirkt. Analysiert werden die wesentlichen rohstoffpolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung, um ihre Folgen für die globalen Rohstoffmärkte besser einschätzen zu können.

China ist für die globalen Rohstoffmärkte von hoher Relevanz. Bei 17 der 27 von der EU gelisteten kritischen Rohstoffe ist China der weltweit größte Produzent. Auch die USA sind von chinesischen Rohstofflieferungen stark abhängig. Bei 13 der 35 als kritisch identifizierten Rohstoffe ist China das größte Lieferland für die USA. Die hohe Lieferabhängigkeit von China birgt die Gefahr von Versorgungsengpässen, wenn unvorhersehbare industriepolitische Maßnahmen oder Ereignisse wie die aktuelle Covid-19-Pandemie auftreten. Auf der anderen Seite weist das Land selbst einen hohen Bedarf an kritischen Rohstoffen, wie beispielsweise Antimon, Seltene Erden, Platingruppen-Metalle, Magnesium oder Wolfram, auf und steht somit in einem Konkurrenzverhältnis mit anderen Industrienationen um diese Rohstoffe.

Gemessen an zehn wichtigen Nichteisenmetallen stieg der Raffinadebedarf in China zwischen 2006 und 2010 jährlich um durchschnittlich 15,5%. Im Zeitraum des 13. Fünfjahresplans (2016-2020) wird jedoch eine deutlich geringere Wachstumsrate von 4,1% erwartet. Dagegen geht die staatliche Planung bei den High-Tech-Rohstoffen, wie Kobalt und Lithium, von einem Bedarfszuwachs von mehr als 10% im selben Zeitraum aus. Bei der gesamten Bergbauproduktion metallischer Rohstoffe lässt sich derzeit ein gewisser Abwärtstrend beobachten, da Investitionen in Rohstoffexploration und -gewinnung aufgrund zunehmender Umweltanforderungen zurückgehen. Zudem haben oftmals kurzfristige Umweltmaßnahmen zur Schließung von Fabriken vor allem in der Raffinadeproduktion geführt.

Um die Rohstoffversorgung für die nachgelagerten Fertigungsindustrien sicherzustellen, verfolgt China eine sogenannte „Zwei-Säulen“-Rohstoffpolitik. Das bedeutet einerseits, dass die heimische Rohstoffgewinnung als ein wichtiges Fundament für die Versorgungssicherheit gilt. Andererseits soll der Zugang zu Rohstoffen, bei denen China eine hohe Importabhängigkeit aufweist, durch Auslandsinvestitionen verbessert werden, wie die Beispiele von chinesischen Investitionen in ausländischen Kobalt- und Kupferprojekten gezeigt haben.

„Für die deutsche Industrie bedeutet der Paradigmenwechsel der Wirtschaftspolitik in China Chancen und Risiken zugleich“, so das Fazit von Dr. Yun Schüler-Zhou, Autorin der Studie.

Die technologische Modernisierung der Bergbau- und Rohstoffverarbeitungsindustrie sowie die Umweltoffensive in China öffnen deutschen Maschinenbauunternehmen und Anbietern von Umwelttechnologie neue Absatzmöglichkeiten. Zudem erkennen chinesische Unternehmen, dass die nachhaltige Beschaffung von Rohstoffen eine wichtige Voraussetzung für gute Geschäftsbeziehungen mit europäischen und damit auch deutschen Unternehmen darstellt. Auf der anderen Seite beinhaltet die Rohstoffstrategie Chinas, dass kritische Rohstoffe verstärkt für die eigene industrielle Fertigung eingesetzt werden, um höherwertige Produkte herstellen zu können. Das könnte eine Beeinträchtigung der Rohstoffversorgung für die deutschen Industrien und einen intensiveren Wettbewerb in der Herstellung höherwertiger Materialien und Industriegüter mit sich bringen.

Link zur Studie: hier

Quelle: BGR und DERA

 

 

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