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Pfahlbautenschutz im Schweizer Bielersee

Projekt zum Schutz der Pfahlbauten im Schweizer Bielersee (Quelle: Marti AG) Projekt zum Schutz der Pfahlbauten im Schweizer Bielersee (Quelle: Marti AG)

Im Bielersee, genauer vor Sutz-Lattrigen, liegt ein archäologisches Kleinod: Eine Pfahlbauten-Fundstelle aus der Jungsteinzeit, welche seit 2011 unter dem Schutz der UNESCO steht. Allerdings droht den Überresten der ca. 4.750 Jahre alten Siedlung Gefahr durch die Erosion des Seegrunds.

Starke Winde führen zu Wellengang, der die archäologischen Überreste auf dem Seeboden abzutragen droht, empfindliches organisches Fundgut wird aufgerieben und das Ufer weiter zurückgedrängt. Um die Fundstelle längerfristig zu schützen, führte das Laboratoire de Constructions Hydrauliques der EPF in Lausanne im Auftrag vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern eine Studie durch, worauf basierend ein entsprechende Schutzprojekt erarbeitet wurde.

Dieses Projekt sah vor, den Seeboden mit Kokosfasermatten und einer zusätzlichen Schicht aus grobem Kies von 30 bis 40 cm zu bedecken. Dem zurückweichenden Ufer sollte mit einem durchbrochenen Wellenbrecher aus Steinschüttungen Stabilität gegeben werden. In diesem deichartigen Wellenbrecher sollte mit Baumstümpfen und Wurzelstöcken zusätzlich ein Habitat für Jungfische geschaffen werden. Mit diesen Maßnahmen soll die archäologischen Fundstätte auf nachhaltige und ökologische Weise bestmöglich geschützt und erhalten bleiben.

Die Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen übernahmen die Wasserbauprofis von Marti Arc Jura. "Wir sind in drei Etappen vorgegangen", erzählt Maximilien Vidal, Leiter See- und Wasserbauten. In einem ersten Schritt wurde der Steindamm in Ufernähe mit Kalksteinschutt (500 bis 1.000 l) gebaut, mit einer Gesamtmasse von 440 t und einer Länge von 120 m. Anschließend wurde Kies (0-60) auf der Rückseite des Damms deponiert, um den Wald zu schützen und die Ufervegetation zu fördern.

Danach wurde der Seegrund auf einer Fläche von rund 10.000 m² mit rundem Gestein (50-150 und 50-600) aufgeschüttet. Jeden Tag wurden ungefähr 150 m³ dieses Grobkieses verarbeitet. Das Material stammte vom Neuenburgersee, angeliefert wurde auf dem Fluss- und Seeweg.

Eine große Herausforderung war, dass der Seegrund im geschützten Bereich nicht beschädigt, ja noch nicht einmal berührt werden durfte. Normalerweise werden die Pontons – die Arbeitsplattformen der Wasserbauer - direkt mit Metallpfählen im Boden stabilisiert. Das war hier so nicht möglich, das Risiko die archäologischen Überreste zu beschädigen war zu groß. Die Besatzung setzte daher ein technisch ausgeklügeltes System ein und rüstete die Pontons mit großen Seilwinden aus. Die dazugehörigen Metallkabel wurden an Metallpfähle angeschlossen, die zuvor von den Teams von Marti Arc Jura ausserhalb der UNESCO-Schutzzone platziert worden waren. Mithilfe dieser Winden, die direkt an die Pontonstrukturen geschweißt waren, konnten die Pontons bewegt oder fixiert werden. Ohne eine solche Stabilisierung wären Arbeiten mit dem Hydraulikbagger auf einem Ponton ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. "Nein, schnell gingen diese Umpositionierungen nicht, waren aber für dieses Projekt die effizienteste Lösung", schmunzelt Maximilian Vidal. Überhaupt seien Arbeiten im Wasserbau keine schnelle Angelegenheit. Alles ist groß und schwer, die Bewegungen der Maschinen und Pontons müssen sachte erfolgen, die Manöver sind wohlüberlegt und präzise.

Die Aufschüttungsarbeiten am Seegrund erfolgten mit zwei Pontons. Auf dem Arbeitsponton befanden sich die Maschinen und Infrastruktur der Wasserbauer. Unter anderem ein imposanter Hydraulikbagger mit großer Reichweite, dessen 3D-GPS-Steuerung die erforderliche Präzision der Arbeit gewährleistete. Der zweite Ponton wurde verwendet, um den Hydraulikbagger mit Kies zu versorgen.

Beide durften nur einen sehr geringen Tiefgang aufweisen, da die Zone äußerst seicht war und der Seespiegel von Tag zu Tag sank. Die Beladung beider Pontons wurde genau berechnet, teilweise konnten nur kleine Mengen transportiert werden, damit sie nicht auf Grund liefen.

Die Transportkähne mit dem Kies konnten aufgrund ihres Tiefgangs den Kies nicht direkt an die Baustelle liefern, weshalb der Zwischentransport mit dem zweiten Ponton notwendig war. Die Kähne legten jeweils an einem Pfahlgürtel außerhalb der Baustelle an und luden den Kies über ein Förderband auf den Transportponton. Danach musste dieser Ponton wieder zum Arbeitsponton gezogen und geschleppt werden, damit der Maschinist wieder direkten Zugriff auf das Material hatte.

Die Arbeiten konntenAnfang November abgeschlossen werden, nach rund zwei Monaten Arbeitszeit. Die Mitarbeitenden von Marti Arc Jura können jetzt mit Stolz von sich behaupten, zur Erhaltung eines UNESCO Weltkulturerbes beigetragen zu haben.

Quelle: Marti AG

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