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Experten fordern langfristige Strategie für „Rohstoffwende“

Wissenschaftler aus Industrie, verschiedenen Forschungseinrichtungen und Hochschulen, darunter der TU Bergakademie Freiberg, fordern in einem Positionspapier von Politik und Wirtschaft, nach der „Energiewende“ nun die „Rohstoffwende“ einzuläuten. Die Wissenschaftler haben analysiert, wie es um den Zugang der deutschen Industrie zu 26 wichtigen Rohstoffen bzw. Rohstoffklassen derzeit und in Zukunft bestellt ist und daraus 13 Handlungsempfehlungen an die Politik abgeleitet.


Der Rohstoffsektor ist dynamisch wie kaum ein anderer. Gleichzeitig sind die Auswirkungen von Verknappungen und Preisschwankungen auf die Industrie gravierend. Deutschland ist für viele wichtige Rohstoffe von internationalen Märkten abhängig. Spätestens seit dem chinesischen Exportlimit für Seltenerdmetalle ist auch der Öffentlichkeit bewusst, welche politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen daraus resultieren können.

Um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, empfiehlt die Forschergruppe des Temporären ProcessNet-Arbeitskreises „Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft“  unter anderem, nicht um des Recyclings willen zu recyceln. ProcessNet wird von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) getragen. Sprecher des Arbeitskreises ist Martin Bertau, Professor für Technische Chemie an der TU Bergakademie Freiberg: „Wir weisen darauf hin, dass unser langfristiges Ziel sein muss, die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen auf eine Kreislaufwirtschaft auszurichten, die auf der Kombination von effizienterer Nutzung, Recycling und Substitution basieren sollte.“

Das Positionspapier mit dem Titel „Anorganische Rohstoffe – Sicherung der Rohstoffbasis von morgen“ bewertet die aktuelle Situation in Deutschland hinsichtlich 26 strategisch wichtiger anorganischer Rohstoffe bzw. Rohstoffklassen, wie die Platin- oder Seltenerdmetalle. Grundlage bildet die Liste der Rohstoffe, die von der EU im Mai 2014 als kritisch eingestuft wurden. Zusätzlich sind solche Rohstoffe berücksichtigt, die schon seit längerem unseren Alltag bestimmen und auch rein mengenmäßig stark ins Gewicht fallen, wie etwa Eisen, Kupfer oder Phosphat. Für jeden Rohstoff sind wirtschaftliche Bedeutung und Vorkommen aufgeführt. Dazu werden Gewinnungs- und Recyclingtechniken vorgestellt. Eine Analyse des Forschungs- und Entwicklungsbedarfs, der nach Auffassung der Autoren für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland notwendig ist, rundet die einzelnen Übersichten ab.

„Mit Ausnahme weniger Elemente wie Eisen oder Aluminium, bei denen Recyclingquoten von 50 bis 70 % erreicht werden, stammt der überwiegende Teil der in Deutschland eingesetzten Rohstoffe nach wie vor aus Primärquellen. Wir empfehlen, mehr Wert auf die Rückgewinnung von Rohstoffen aus sekundären Quellen zu legen, um uns von geopolitischen Abhängigkeiten zu lösen“, so Prof. Martin Bertau. Dem stünden jedoch bisher die hohen Preise und die oft mangelhafte Qualität aufbereiteter Rohstoffe entgegen.

Die Forscher verweisen ausdrücklich darauf, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits mit der Maßnahme „Innovative Technologie für Ressourceneffizienz“ reagiert hat, um das Recycling bzw. die Substitution wichtiger Rohstoffe voranzutreiben. „Dafür braucht es allerdings stabile rechtliche Rahmenbedingungen im Umwelt- und Abfallrecht auf nationaler und auch europäischer Ebene, um einen fairen Wettbewerb innerhalb der EU zu ermöglichen. Neben der Entwicklung von neuen Aufbereitungsverfahren müssen schon bei der Produktentwicklung Aspekte der Kreislaufwirtschaft berücksichtigt werden“, beschreibt Prof. Martin Bertau eine wichtige Handlungsempfehlung. Die Recyclingindustrie brauche für die Entwicklung neuer Werkstoffe einen Vorlauf, um der produzierenden Industrie passende Materialien anbieten zu können.

Die Wissenschaftler fordern in ihrem Positionspapier aber auch, den bestehenden Einschränkungen der Rohstoffverfügbarkeit weitere Limitierungen hinzuzufügen. So dürften die physiologischen Eigenschaften eines Stoffes nicht ausschlaggebendes Kriterium für seine Anwendbarkeit sein. Vielmehr müssten die Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass industriell relevante Substanzen sicher gehandhabt und in Hochtechnologieanwendungen eingebracht werden können. Dies sei um so wichtiger, als Europa bzw. Deutschland in noch viel stärkerem Maß als bisher gezwungen sein werden, ihre internationale Wertschöpfung über Hochtechnologieprodukte zu generieren.

Hintergrund

ProcessNet ist die deutsche Plattform für Verfahrenstechnik Chemieingenieurwesen und Technische Chemie.

Das vorliegende Positionspapier wurde vom Temporären Arbeitskreis „Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft“ ausgearbeitet. Die Autoren der Studie arbeiten fächerübergreifend unter anderem an der TH Karlsruhe, der RTWH Aachen und diversen Fraunhofer-Instituten, aber beispielsweise auch für Ingenieurbüros, Recycling-Firmen und SolarWorld aus Freiberg. Zehn Wissenschaftler der Studie forschen an unterschiedlichen Instituten der TU Bergakademie Freiberg. Sprecher des Arbeitskreises, der diese Studie ausgearbeitet hat, ist Prof. Martin Bertau, Professor für Technische Chemie an der TU Bergakademie Freiberg.

ProcessNet ist eine gemeinsame Initiative von DECHEMA und VDI-GVC.

Quelle: TU Bergakademie Freiberg

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